Januar 2019

Europa vor den Wahlen: Ein Experte wirft einen Blick auf Frankreich und Deutschland


Die Deutsch-Französische Gesellschaft Bielefeld e.V. gab uns am 10.01.2019 um 18:00 Uhr die Gelegenheit, im Murnausaal der VHS, mit einem Experten über das Thema „Die Krisen der Europäischen Union. Deutschland und Frankreich: Motor oder Bremse?“ zu debattieren.

Professor Dr. Henri Ménudier, ein bekannter Politologe der Universität Paris III – Sorbonne Nouvelle und Fachmann in europäischen, insbesondere deutsch-französischen Fragen, ist Autor zahlreicher Bücher und Artikel zu diesem Themenbereich. Sein Engagement bezieht sich auf die Vertiefungen der deutsch-französischen Beziehungen in der Zivilgesellschaft. So ist eines seiner großen Anliegen, Schüler, Studenten und Lehrer sowie deutsch-französische Gesellschaften und Städtepartnerschaften umfassend über die politischen und sozialen Fragen der beiden Länder und Europas zu informieren.

Zunächst gab der Referent ein umfassendes Bild der Entwicklung der deutsch-französischen Beziehungen und der aktuellen Situation in Europa. Der französische Professor, der perfekt Deutsch spricht, begeisterte mit seinem Vortrag die zahlreich erschienenen Zuhörer. Ohne Leinwand, ohne Beamer, mit einer ruhigen Stimme, fing er an, vorzutragen. Man konnte es spüren, er versuchte seinem Publikum mit Überzeugungskraft ein facettenreiches Bild von Europa zu vermitteln. Der freie Vortrag hatte den Charakter einer Diskussion, und Prof. Ménudier hielt ständig Kontakt zum Publikum. Dies führte dazu, dass die Zuhörer gebannt seinem Vortrag folgten.


(Foto: Marie-Lu Matzke)

Folgende Schwerpunkte wurden von Prof. Ménudier behandelt:
Europa wird von Politikern aus vielen Parteien gefährdet. Der Populismus wächst in vielen Ländern und übt einen großen Einfluss besonders auf diejenigen Teile der Bevölkerung aus, die skeptisch zum Thema Europa stehen. Die jetzigen Ereignisse in Frankreich, verursacht durch die „Gilets Jaunes“, die neue Herausforderung für den Präsidenten Macron, erschweren das Problem. Er ist überzeugter Vertreter der europäischen Werte, er verliert aber an Vertrauen bei der französischen Bevölkerung.

Der Professor erinnerte an die Zeit, in der jedes Land eine eigene Währung hatte, an die Kontrolle an den Grenzen, an die Zeit, in der es in den deutsch-französischen Beziehungen kriselte und es noch keine Fernsehsender wie ARTE gab. Er erwähnte den häufig in Frage stehenden Frieden in Europa, den Frieden, der durch die europäische Union stabil ist. Dieser Frieden könne durchaus bedroht sein, wenn die Länder der EU nicht zu Europa stünden.

Viele Fragen wurden nach dem Vortrag von Prof. Ménudier ausgiebig beantwortet. Er erklärte beispielsweise die Entstehung der Bewegung der „Gilets Jaunes“ und die Maßnahmen der Regierung. Anschließend gab es ein Gruppenfoto mit Prof. Ménudier und all denjenigen, die sich zu Europa bekennen.

(Foto: Marie-Lu Matzke)